Nachdem sich in den Konsumländern für Erzeugnisse aus
Regenwaldholz hin und wieder Empören gezeigt hat, haben verschiedene Regenwaldländer
versucht, die Rodung gesetzlich zu regeln.
Dennoch wird auch heute noch der Großteil des Regenwalds in allen drei
wichtigen Gebieten durch illegale Abholzung vernichtet. Holzverarbeitende Konzerne, Plantagen- und
Weidelandbesitzer und Kleinbauern benötigen für die Rodung eine Lizenz.
Ungesetzliche Rodung aber zu unterbinden, ist für die Regierungen der betroffenen Länder aufgrund der Größe und Unzugänglichkeit großer Gebiete, aber auch durch
Korruption und Ineffizienz schwierig.
Das allgemeine Vorgehen ist
normalerweise Kahlschlag mit großem Gerät und Brandrodung. Die von den Regierungen
genehmigten Abholzungen werden neuerdings unter dem Begriff „selektive Extraktion“
betrieben. Dieser wissenschaftlich angehauchte Begriff bedeutet, dass jeweils nur 1
bis 2 Urwaldriesen pro Hektar abgeholzt werden. Was sich als guter Plan anhört, hat
oft verwüstende Auswirkungen: Für das „selektive“ Abholzen bestimmter einzelner
Bäume zur Gewinnung von Edelholz werden größere Waldteile zerstört, denn um an die
ausgewählten Bäume zu gelangen, müssen Zufahrtswege für das schwere Gerät gerodet
und befestigt werden. Darüber hinaus werden die im Umkreis stehenden Bäume und
natürlich das Leben am Boden zerstört.
Beim selektiven Abholzen wird zunächst ein Loch in den Stamm
des ausgewählten Baumes gebohrt, um dessen Qualität zu beurteilen. Oftmals werden
Bäume zuerst gefällt und dann geprüft. Diese Arbeiten gehen rund um die Uhr voran,
nachts wird mit Scheinwerferlicht gearbeitet. In den meisten Gebieten werden für die
schwere Arbeit Ureinwohner zu Niedrigstlöhnen eingesetzt.
Sind in einem
bearbeiteten Gebiet keine interessanten Bäume mehr vorhanden, werden die selektiven
Arbeiten in einem anderen Gebiet fortgesetzt.
Große Schlepper befördern
die Stämme in meist tagelanger Fahrt zum Sägewerk oder zum nächsten Hafen, von wo
sie in die Konsumländer verschifft werden.
Entlang der Schneisen der
Abholzfirmen folgen die meist armen Kleinbauern und Dorfbewohner den Schleppern in
die unberührten Weiten des Waldes, um kostenloses Siedlungsgebiet urbar zu machen.
Entlang der Straßen entstehen Hüttensiedlungen und Ackerflächen und letztendlich
Slums. Die hungrige Meute achtet nicht auf Schutzgesetze, sondern brennt ununterbrochen weitere Waldflächen ab.
Im
Durchschnitt bewirtschaftet eine Großfamilie 1 bis 2 Hektar Wald. Diese Fläche wurde
in harter Arbeit gerodet und abgebrannt. Nach dem Abbrennen werden Löcher in die mit
Asche gedüngten Böden gestoßen und die Saat ausgestreut. Nach wenigen Jahren ist der
ohnehin nicht fruchtbare Urwaldboden ausgelaugt. Es lassen sich keine guten Ernten
mehr erzielen. Die Bauern ziehen deshalb weiter und brennen neue Gebiete ab.
Allmählich entsteht auf dem Gebiet eines ehemaligen Regenwalds eine ausgemergelte
Fläche, die wegen Erosion für nichts mehr genutzt werden kann.